Los 530 Ludwig Richter (1803 Friedrichstadt bei Dresden - 1884 Dresden)


Komplettsatz "Für's Haus" (Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter) mit Autograph Adela Dundas und John Ruskin. Vier einzelne Mappen mit Stichen nach Motiven von Ludwig Richter, zumeist mit Sinnsprüchen oder Gedichten angereichert. Drei Mappen zu je 15 lose eingelegten Blatt plus Inhalt, Verlag J. Heinrich Richter, Dresden. Herbst-Mappe gebunden, Verlag Alphons Dürr, Leipzig. Je 30,5 x 23,5 cm. Altersgemäß guter Zustand. Blätter etwas stockfleckig, teils fleckig und randgebräunt.

Das Bemerkenswerte an diesem Vierer-Satz ist die anhand kleiner handschriftlicher Notizen ablesbare Besitzer-Geschichte im späten 19. Jh: alle vier Bände tragen in derselben Handschrift einen Besitzvermerk von Ada Dundas, datiert 1882 (Frühling) und 1884 (die drei anderen Bände) mit Ortsangaben "Dresden" und "Inchgarvie" (Schottland). Die Bände Sommer und Winter zeigen in derselben Handschrift den Vermerk "A. D. from John Ruskin", einmal datiert 1884. Von anderer Hand liest man im Sommer und Winter Heft die Angabe "Ada's / Brantwood / May 1884 / J.R."
Adela (Ada) Dundas war eine schottische Künstlerin, die nachweisbar von John Ruskin, dem Kunstkritiker und William Turner-Entdecker, protegiert wurde. Dundas lebte aufgrund eines Lungenleidens nur von 1840 bis 1887, zumeist in Schottland, bereiste aber auch Europa zu Kuren und Studienzwecken. Geht man davon aus, dass die vier Besitzangaben von ihrer Hand stammen, könnte man schließen, dass sie sich im Jahr 1882 in Dresden, wahrscheinlich im Fridabad, der Vorgängereinrichtung des berühmten Lahmann's Sanatorium auf dem Weißen Hirsch, aufgehalten hat und auf diese Mappenwerke stieß. Zu dieser Zeit lebte auch Ludwig Richter noch, so dass selbst eine direkte Begegnung nicht ausgeschlossen ist.
Die beiden mit "Brantwood, May 1884" bezeichneten Exemplare sind wohl als Geschenk von John Ruskin an Dundas gegangen - beide waren seit den 1860er Jahren verbunden und besuchten sich gegenseitig. Brantwood House in Coniston, Lake District (zwischen Manchester und Edinburgh) war seit 1871 der Lebensmittelpunkt Ruskins.
Scheint schon allein der Umstand erstaunlich, dass eine schottische Künstlerin den Dresdner Romantiker Ludwig Richter entdeckt und wahrnimmt, so scheint es noch unglaublicher, dass der einer völlig anderen Modernität im künstlerischen Wirken verschriebene Kunsthistoriker Ruskin sich diesen idyllischen Werken annimmt und als Geschenk weiterreicht. Hier wird also eine berührende emotionale Verbundenheit ablesbar, welche in kleinsten Notizen die in hoher Auflage produzierten Mappen nicht nur für Kunsthistoriker und Ruskin-Anhänger zu einer Trouvaille werden lässt.

Aufrufpreis: 40 €

Zuschlag: 80 €