Los 620 Lev (Leo) Lerch (1856 Prag-Smíchov - 1892 ebenda), Zuschreibung


"Irrlicht (Bludička)". Sehr detaillierte, durchgestaltete Vorarbeit zum gleichnamigen Gemälde in der Prager Nationalgalerie. Öl auf Leinwand, um 1888. Unsigniert. Rückseitig Stempel der Wiener Künstlerbedarfshandlung Alois Ebeseder. Ungerahmt. Großformat: 180 x 99,5 cm. Zwei Kratzspuren am rechten Bildrand, punktuelle bis kleinere Retuschen.

Beeindruckendes Exemplar der symbolistischen Malerei vor und um 1900. In hoher Qualität und akademisch geschult wird hier ein Motiv angelegt, das Leo Lerch 1888 konkret ausformuliert hat: eine als weiblicher Akt inszenierte mystische Figur steigt schwebend aus den seichten Wassern einer Teichlandschaft auf, über sich ein kleines flammenartiges Licht zeigend. Lerch nannte das verführerische Wesen "Irrlicht (Bludička)" und gab damit der Szene einen unheilvollen Klang. Begehren wird geweckt, im Dunkel der Nacht schwindet der Widerstand und wie in Trance verfällt man traumwandlerisch einer Sehnsucht, die sich als Schein offenbaren wird.
Noch in der akademischen Malerei des Historismus verwurzelt, verbildlicht Lerch hier ein literarisch-poetisches Thema, das in seiner deutlichen Formulierung des drohenden Untergangs in schmeichelnder Form klar an die Werke Arnold Böcklins und Franz von Stucks anschließt und die scharfe Prononcierung des Unheils in den Werken Gustav Klimts antizipiert.

Die hier angebotene Vorarbeit, Anlage oder Kopie schließt in malerischer Qualität und motivischer Akkuratesse an das in der Prager Nationalgalerie befindliche Werk Lerchs an. Das vollständig ausgeführte Gemälde in Prag wurde zu Vergleichszwecken im Original besichtigt und eingehend studiert - besonders in der Ausführung der Schilfblätter und der Hauptfigur zeigt sich eine starke Vergleichbarkeit der künstlerischen Handschrift.
Die Prager Fassung weicht etwas farblich ab; die Grundstimmung wirkt deutlich düsterer, dunkle Blautöne und ein kühleres Licht verleihen der Szene eine noch stärkere Mystifizierung, auch ist die finale Fassung doppelt so groß.

Das "Irrlicht" wird an prominenter Stelle in der Sammlung "Kunst des langen Jahrhunderts 1796-1918" der Nationalgalerie Prag in Raum 27 im Messepalast gezeigt (Inventarnummer O1195). Es wirkt raumbestimmend und befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der von Symbolismus und Jugendstil geprägten Malerei um 1900 von u.a. Max Svabinsky, Karel Masek und Max Pietzschmann.

Veronika Hulikova, Otto M. Urban, Filip Wittlich: NGP - Art of the Long Century 1796-1918. Portrait of the Collection. Sammlungskatalog, Prag 2024. Hier ganzseitige Abbildung auf Seite 104, Katalogeintrag Seite 182.

Aufrufpreis: 4200 €

Zuschlag: 4200 €